Arabisch, türkisch, persisch

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Die Musik des nah- und mittelöstlichen Kulturraums (der grob gesagt die arabische, türkische und persische Welt umfasst) bildet eine (bzw. genauer gesagt mehrere) der wichtigen traditionellen Musikkulturen mit Mikrotönen als zentrale Elemente.

Ein Basiskonzept ist "Maqam" (Plural "Maqamat"), was ungefähr (aber nicht ganz) dem westlichen "Modus" entspricht. Die türkische Bezeichnung lautet "Makam", das verwandte persische System figuriert unter "Dastgah". Zur Einführung siehe etwa:

Klassische arabische Musik (Wikipedia)

Maqam (Wikipedia)

Dastgah (Wikipedia)

Die Verwendung von Mikrotönen kann dabei eine für westliche Ohren beinahe unvorstellbare Subtilität erreichen, wie in diesem Podcast des ägyptischen Violinisten Sami Abu Shumays eindrucksvoll demonstriert wird. Sami Abu Shumays unterscheidet bis zu 12 verschiedene Intervalle innerhalb eines Halbtons.

Gleichstufige Stimmungen für Maqamat

Es gab und gibt zahlreiche Anstrengungen, eine für Maqamat geeignete gleichstufige Stimmung zu entwickeln. Ein globaler Standard, der mit der Rolle von 12edo zu vergleichen wäre, hat sich jedoch bis heute nicht etablieren können. Angesichts der im obigen Podcast skizzierten Subtilitäten ist dieses Unterfangen ohne Zweifel nichttrivial, wenn nicht schlussendlich unlösbar.

Je nach geforderter Genauigkeit lassen sich verschiedene Stufen unterscheiden.

Stufe 1

Die absolut minimalen Bedingungen, welche ein Tonsystem für Maqamat erfüllen muss, können wie folgt formuliert werden[1] :

  • Das Tonsystem muss kleine und grosse Sekunden, kleine und grosse Terzen, reine Quarten sowie die Oktavkomplemente all dieser Intervalle unterstützen, vorzugsweise in einer mehr oder weniger pythagoräischen Struktur.
  • Zusätzlich muss es mindestens ein zwischen kleiner und grosser Sekunde liegendes Intervall (also eine neutrale Sekunde) geben.

Die kleinsten EDO-Systeme, welche diese Bedingungen erfüllen, sind 17edo und 24edo. Beide werden in der Tat auch verwendet, wobei insbesondere 24edo eine gewisse Verbreitung gefunden hat.

Im Rahmen des Konzepts der regulären Temperaturen werden die obigen Bedingungen von der maqamischen Temperatur erfüllt.

Stufe 2

Tonsysteme, welche Stufe 1 erfüllen, erlauben es, so gut wie alle Maqam-Skalen zu spielen - oft aber nur in eher groben Annäherungen.

Eine zusätzliche, immer noch ziemlich grundlegende Anforderung ist die Verfügbarkeit von mindestens zwei Arten von neutralen Sekunden, eine kleine neutrale Sekunde für die "Bayati"-Skala und eine grössere für die "Rast"-Skala. Ferner sollte die grosse Sekunde mit Vorteil ein "grosser Ganzton" sein, die kleine Sekunde hingegen ein "kleiner Halbton" - woraus in der Regel folgt, dass sich ein Ganzton aus zwei verschieden grossen Halbtönen zusammensetzt, einem "kleinen" (Limma) und einem "grossen" (Apotom).

Wichtige gleichstufige Systeme, welche diese Bedingungen erfüllen, sind 53edo und 72edo. Beide haben eine gewisse Verbreitung gefunden.

Für türkische Musik kommen gemäss dem Musikwissenschaftler Ozan Yarman[2] auch 34edo, 41edo und 46edo in Frage, in Grenzen auch 29edo. 29edo, 34edo und 41edo haben dabei die Eigenschaft, dass die grössere neutrale Sekunde nahe an einem "kleinen Ganzton" liegt und die Terz der Rast-Skala nahe bei der reinen grossen Terz 5/4 zu liegen kommt. Dies entspricht der türkischen Rast-Skala, jedoch weniger gut der arabischen Skala gleichen Namens, bei welcher die Terz tiefer intoniert wird und deutlicher einer neutralen Terz entspricht. 29edo, 34edo und 41edo können somit als für türkische Musik geeignet angesehen werden, jedoch weniger für arabische.

Und hier zeigt sich ein weiterer grosser Knackpunkt bei der Suche nach einem Standard für die orientalische Musik: es gibt nicht ein orientalisches Tonsystem, sondern viele. Es gibt übrigens nicht einmal nur ein arabisches, türkisches und persisches, sondern auch regionale Unterschiede innerhalb der jeweiligen Kulturen...

Stufe 3

Selbst 53edo und 72edo, so viele Töne sie bereits enthalten, erfassen nicht alle denkbaren Feinheiten orientalischer Tonsysteme. Es sind deshalb noch feinere Unterteilungen vorgeschlagen und untersucht worden. Beispiele:

Ozan Yarmans Dissertation[3] beschreibt ein System für türkische Musik, welches eine79-tönige MOS-Teilmenge von 159edo ist.

Tsaharuk (Artikel in englischer Sprache) ist eine reguläre Temperatur, welche in 77edo, 94edo, 111edo, 128edo, 145edo, 171edo oder 359edo realisiert werden kann.

Referenzen

  1. ^ Amine Beyhom, A new hypothesis on the elaboration of heptatonic scales and their origins, Proceedings of the International Conference of Near Easten Archaeomusicology ICONEA 2008 Held at the British Museum December 4, 5 and 6, 2008, p. 151-209.
  2. ^ Ozan Yarman, Search For A Theoretical Model Conforming To Turkish Maqam Music Practice: A Selection Of Fixed-Pitch Settings From 34-tone Equal Temperament To The 79-tone Tuning
  3. ^ Ozan Yarman, 79-Tone Tuning & Theory for Turkish Maqam Music. Istanbul Technical University, Ph. D., 2008.