Mavila

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Einführungsartikel reguläre Temperaturen

Mavila-Temperaturen können als eine Art "Übertreibung" der mitteltönigen Temperaturen gesehen werden. Wie diese haben sie als Generator ein quintenähnliches Intervall, allerdings eines, das noch deutlich kleiner ist als eine (gegenüber der reinen Quinte bereits verminderten) mitteltönige Quinte. Durch Übereinanderschichten von vier Mavila-Quinten erreicht man nicht, wie bei einer mitteltönigen Temperatur, eine grosse Terz, sondern eine kleine.

Die MOS-Skalen dieser Temperatur haben eine andere Struktur als die mitteltönigen. Hat die pentatonische Mavila-Skala mit 2L 3s (zwei große, drei kleine Intervalle) noch dieselbe Form wie ihr mitteltöniges Analogon (wenn auch sehr verschiedene Intervalle), so hat die siebentönige MOS-Skala von Mavila die Struktur 2L 5s, also zwei grosse und fünf kleine Intervalle - genau umgekehrt wie bei mitteltönigen Temperaturen, deren entsprechende Skala die bekannte diatonische Skala mit der Struktur 5L 2s (fünf Ganztöne, zwei Halbtöne) ist. Die siebentönige Mavila-Skala wird deshalb auch antidiatonische Skala genannt. Im Gegensatz zur mitteltönigen verfügt die Mavila-Temperatur außerdem über eine neuntönige MOS-Skala der Struktur 7L 2s, die man als "superdiatonisch" bezeichnen kann.

Antidiatonische Mavila-Skala (LssLsss) in 16edo

Superdiatonische Mavila-Skala (sLLLsLLLL) in 16edo

Superdiatonische Mavila-Skala (LLsLLLsLL) in 16edo

Mehr Details zu Mavila-Skalen siehe xenharmonic/Mavila Temperament Modal Harmony .

Gleichstufige Stimmungen, welche die Mavila-Temperatur unterstützen, sind z.B. 16edo, 23edo, in gewissem Masse auch 9edo und 7edo.

Eine kleine Kuriosität ist, dass jedes für mitteltönige Temperatur geschriebene musikalische Werk (also insbesondere aus dem Bereich Barock/Klassik) mittels Abbildung gemäss dem Generator nach Mavila konvertiert werden kann. Aufgrund der Ähnlichkeit der Generatoren bleibt das Originalwerk dabei erkennbar, doch jeder Mollakkord geht in einen Durakkord über und umgekehrt. Beispiele dafür können auf The Mavila Experiments angehört werden. (Ästhetisch befriedigend sind die Resultate allerdings in der Regel nicht, weil die Quinte, eine der zentralen Konsonanzen in mitteltönigen Systemen, in Mavila doch stark "verstimmt" erscheint... Der Xenharmoniker ist besser beraten, direkt in Mavila zu komponieren und deren Quinte und Quarte entsprechend ihrer eigenen Qualität mit Vorsicht zu verwenden.)

In 16edo bildet das Komplement einer superdiatonischen Mavila-Skala gerade eine antidiatonische Mavila-Skala und umgekehrt. Dies kann als Basis für ein 16edo-Keyboarddesign dienen. Siehe etwa:

http://www.metatonalmusic.com/Keyboards.html oder http://www.armodue.com/istruzioni.htm